Track-by-Track: Twoonacouch über „And I Left“

Twoonacouch sind nicht nur der nächste Output der Luzerner Talentschmiede, sondern mit ihrer Kombination aus frickeligem Gitarrenspiel, verspielten Drums, drückendem Bass und rauen Vocals außerdem die nächste Emo-Hoffnung. Auf ihrem Debütalbum „And I Left“ überzeugen sie bei jedem einzelnen Lied durch durchdachtes und vor allem wirkungsvolles Songwriting. Kein Song klingt wie ein anderer; trotz der Vielseitigkeit bilden sie dennoch eine Einheit. Viele Bands schaffen das gewiss nicht.
Doch nicht nur musikalisch wissen Lauro Meier, Lars Imgrüth und Nicolas Bortoluzzi (v.l.n.r.) genau, was das Hörerherz höher schlagen lässt, auch lyrisch steckt hinter den neun Songs einiges.

 

 

„“And I Left“ handelt von den Problemen, die man hat, wenn man erwachsen wird, und von den Sachen, mit denen man im Berufsleben oder im Studium konfrontiert wird.“

 

„But Now“:

Lars: Der Song ist ein kleines Intro. Inhaltlich geht es darum, dass eine geliebte Person stirbt. Es ist mir selber noch nicht passiert, aber ich habe mir schon öfter vorgestellt, dass es passieren könnte und überlegt, wie ich dann reagieren würde. Eine andere Sicht ist, dass man von sich selbst etwas verliert, seine eigenen Träume beispielsweise. Etwas, das einem wichtig ist.

Lauro: Allgemein handelt der Song von Ängsten; davon, etwas zu verlieren, was einem wirklich wichtig ist, und mit dieser Situation klarzukommen. Wir lassen es bei unseren Texten aber gerne etwas offen und sagen nicht, dass es um etwas Konkretes geht. Jeder Zuhörer kann etwas herausnehmen und den Text auf sich beziehen.


„Dreaming“:

Lars: Wie der Titel schon sagt, geht es ums Träumen. Man lässt alles hinter sich und geht weg. Man steigt in den nächsten Zug und fährt irgendwohin – ganz egal wohin, nur weg. Man flüchtet vor seinem Leben, vielleicht sogar zusammen mit einer Person, die man liebt, und lässt das Ungewisse auf sich zukommen.


„And I Left“:

Lauro: Auch hier ist das Thema offen, denn egal wie oft man den Text auch liest, man versteht nicht genau, was passiert. Allgemein geht es um eine schwierige Situation, mit der man aber trotzdem klarkommen muss. Es sind Gedankengänge, die man im Alltag hat. Dass nichts stabil ist, dass von einem Moment auf den anderen sehr viel zusammenbrechen könnte, dass man nichts sicher oder für immer hat. Das sind Ängste, die real werden – und man muss mit ihnen klarkommen. Manchmal möchte man aber auch vor ihnen fliehen.


„Sleepy Trees“:

Lauro: Ich wollte bei dem Lied eine Stimmung erzeugen und auch textlich eine Atmosphäre kreieren. Es geht um die Natur, um Bäume mit müden Armen. Aber auch hier wieder nicht um ein spezielles Thema, sondern wie man die Verspieltheit der Natur musikalisch wiederspiegelt. Der Text reimt sich und durch das Tapping bei der Gitarre wird es textlich und musikalisch einheitlich und stimmungsvoll.


„Silhouettes“:

Lauro: Ein sehr atmosphärischer Instrumental-Track. Bei diesem Song gehen die Gitarre, der Bass und das Schlagzeug am meisten aufeinander ein. Durch die Verspieltheit und das Zusammenbringen der Instrumente entsteht musikalisch eine Silhouette. Man hat einen Umriss, eine Melodie, eine Silhouette gezeichnet und vertont.


 „Places“:

Lars: Man schaut einer bestimmten Person in die Augen und sieht dadurch die Welt – mehr steckt eigentlich nicht dahinter. Es ist ein Liebessong und ein bisschen oberflächlich (lacht). Aber vor allem die Zeile „cause everything we are is everything we’ll ever be” packt beim Hören. Es ist ein Song, bei dem man auch mitsingen kann.


„You“:

Lars: Es geht darum, dass es einem nicht gut geht, man es aber nicht zugibt, sondern stattdessen versucht, andere und sogar sich selbst vom Gegenteil zu überzeugen. Man schafft es nicht, das zu sein, was man sein möchte; weder die Erwartungen anderer zu erfüllen, noch die eigenen an sich selbst. In „You“ wird beschrieben, wie man mit einer bestimmten Situation nicht zurechtkommt – und in einer bestimmten Phase auch mit sich selbst nicht.


„Bad Stories“:

Lars: Man betrinkt sich, um für einen gewissen Zeitraum alles zu vergessen und keine Probleme zu haben. Am nächsten Tag merkt man jedoch, dass immer noch alles so ist, wie es gestern war – vielleicht sogar noch schlimmer, weil man im Vollsuff irgendwelche Scheiße gebaut hat. Weil man sich mit zu viel Alkohol zukippt, verliert man den Bezug zur Realität. Bis man am Morgen aufwacht und alles noch schlimmer ist als zuvor.


„Decisions“:

Lauro: Es ist zwar eine alltägliche Situation, Entscheidungen zu treffen, manchmal aber nicht so einfach. Irgendwann sagt man sich: „Egal wie ich mich entscheide, nach einer gewissen Zeit kommt eh alles auf dasselbe hinaus.“ Man sollte sich nicht so viele Gedanken machen und die Entscheidung, die man gemacht hat – wie auch immer sie aussieht – einfach hinnehmen. Weil die Welt heute so multioptional ist, sollte man sich nicht so quälen.

 


„Wir versuchen, mit unserer Musik eine Utopie zu finden. Einen Platz, an dem wir uns einfach wohlfühlen, unsere eigene, kleine Welt.“


„And I Left“ erscheint am 19. Januar (DIY). Das Release-Konzert mit Danny McClelland (Redensart) und Cold Reading findet am 27. Januar im Treibhaus in Luzern statt.

Das Interview mit Twoonacouch findet ihr hier – über musikalische Anfänge, Kontraste und persönliche Texte.

Foto: Elio Meier

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