Mr. Linus – REVUE

Ein kurzer Trommelwirbel, dann sind sie da: Anna und Rebecca, die beiden jungen Frauen hinter Mr. Linus. Keifend, schreiend, meckernd. In den vier Songs und etwa einer Viertelstunde Spielzeit lassen sie auf ihrer Debüt-EP „REVUE“ genau ebendies passieren. Zusammen mit Drummer Dave ziehen sie Schlussstriche, überdenken Geschehenes, philosophieren über Personen und das Leben.

Seit 2016 spielen die Süd-Ost-Schweizer nun in dieser Formation bissigen Indie-Punk, gegründet wurde die Band allerdings schon 2014. Nach den ersten zwei Jahren als Akustik-Duo, scheinen die beiden Sängerinnen ihrem Publikum jetzt umso stärker in den Hintern treten zu wollen.

Mit zackigem, abgehacktem Sprechgesang preschen sie drauf los – immer wieder von sich selbst oder der Musik unterbrochen. Oftmals scheinen die Parts dabei eher gegen- als miteinander zu arbeiten, denn kein Element möchte einem anderen kampflos die Bühne überlassen. Es wirkt beinahe so, als würde „REVUE“ nicht bloß aus vier Tracks bestehen, sondern als seien die Songs auch in sich ein Puzzle, deren Teile bestmöglich, aber doch auch irgendwie zusammengesetzt wurden. Das Songwriting ist unvorhersehbar – man kann sich dran gewöhnen, klar, doch selbst dann warten Mr. Linus schon mit einem großen Grinsen im Gesicht mit der nächsten Überraschung. Die mächtige Produktion von Jochen Stummbillig vom Bochumer Kaputtmacher Studio lässt den Effekt sogar noch größer aussehen.

In Verbindung bringen kann man die Schweizer vielleicht mit Heisskalt, Lygo, Turbostaat und den Blackout Problems – diese nennen sie zumindest als Einflüsse – doch tatsächlich gemein haben Mr. Linus mit ihnen nur einzelne Teile. Mr. Linus zeigen dort Kante, wo andere weicher agieren würden, und nehmen sich an Stellen zurück, bei denen die meisten erst richtig aufdrehen. Nur sie wissen, was passieren wird, und das ist nicht nur gut, sondern auch sehr selten geworden.

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