I Feel Fine – Long Distance Celebration

Ein Raum voller Menschen, undefinierbare Gespräche, der alltägliche Lärm. Eine Situation, die, obwohl jedem bekannt, oftmals Fragen aufwerfen kann. Aus welchem Grund, ist man gerade an diesem Ort? Was hat einen hierhin gebracht? Was ist die Geschichte dieses Augenblicks? Die Nostalgie findet sich eben auch in den einfachen Dingen des Lebens wieder – und I Feel Fine nutzen diese Szene gleich mal als Intro für ihre Debüt-EP „Long Distance Celebration“.

Gesprächsfetzen vermischt mit Gitarren. Zunächst noch ausgeglichen, doch dann werden letztere immer lauter. Nach und nach blenden sie die Menschen aus; als würde wie in einem Film der Fokus von einer Gruppe genommen, aus dem Raum herausgezoomt und eine Rückblende gezeigt werden, das eigentlich Interessante an der ganzen Geschichte. Gerade einmal 40 Sekunden dauert das Intro „Long Distance“, der fließende Übergang zu „Beached Community“, dem eigentlichen Opener, beendet das Spektakel und I Feel Fine gehen in die Vollen.

Frickelige Drums und vertrackt-verspielte Gitarren dominieren die EP; selbst die Vocals wurden nicht wie von den meisten Bands gewohnt obenauf gelegt, sondern direkt in den Sound integriert. Dass es sich zusätzlich selten um eine einzelne Stimme handelt, sondern vielmehr um Gang-Vocals, macht die Lyrics zwar schwieriger verständlich und zugänglich, dafür aber um einiges interessanter. I Feel Fine spielen mit allen erdenkbaren Mitteln, um die Entwicklung ihrer Musik voll auszuschöpfen. Immer wieder ändern sie die Richtung, nur um schlussendlich wieder zum anfänglichen Konstrukt zurückzukommen.

„Everyday Safari“ präsentiert sich als logischer Nachfolger zu „Beached Community“. Auch hier passiert im Soundbild so viel auf einmal, dass man gar nicht weiß, auf was man zuerst achten soll – und kaum hat man sich für ein Element entschieden, ist der Song auch schon zuende. „Lifer“ gönnt sich dagegen mehr Zeit und der tatsächlichen Musik noch mehr Raum zur Entfaltung. So viel, dass man schon fast vergessen hat, dass es nicht nur einen, sondern gleich drei Sänger gibt, wenn die Vocals nach einer Minute einsetzen. So einnehmend können Instrumentals sein.

Die Abrundung bildet schließlich „Pan For Gold“. Über sechseinhalb Minuten lang, in denen I Feel Fine alles untergebracht haben, was in ihr Songwriting gehört: Leise, seichte Melodien, frickelige Gitarren, starke Brüche und einnehmende Vocals. Dann noch ein ruhiges Outro und der Bogen zum Anfang ist gesponnen.

„Long Distance Celebration“ erinnert an die Kindheit, daran, wie anders das Leben früher war, einfacher und weniger problematisch, obwohl man das natürlich damals ganz anders beurteilte. Die EP fängt auf romantische, jedoch keineswegs nachtrauernde Weise Erinnerungen ein und ob man es nun darauf anlegt oder nicht, aber zumindest ein kleines bisschen wird hier wohl jeder nostalgisch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.