Donnokov – s/t

Von großen, bereits etablierten Bands erwartet man direkt ebendies: Wahre Kunst, Musik möglichst nahe an der unmöglichen Perfektion. Von kleinen dagegen, jungen Bands, die erst angefangen und gerade einmal eine Handvoll Songs geschrieben wie Shows gespielt haben, lässt man sich einfach überraschen und hofft auf das kleinste Übel. Bekommt man lediglich ungestimmtes Geschremmel geboten, schiebt man es im besten Fall auf den Punk-Gedanken, hat die Erzeuger allerdings schnell wieder vergessen – aber dann gibt es auch noch die, die überraschen. Die, die so gut sind, dass man zur Sicherheit alle Infos mehrfach gegenprüft, nur um ganz sicher zu sein, keine verschollenen Heroen früherer Tage wiederentdeckt zu haben. Donnokov sind Vertreter letzter Kategorie.

Das Trio aus Jena gibt es seit gerade einmal wenigen Monaten, doch es stellt mit seiner selbstbetitelten Debüt-EP nicht nur sich selbst ins beste Licht, sondern wie nebenbei auch noch etliche Bands in den Schatten. Intelligenter Post-Punk mit so vielen ergänzenden Einflüssen, dass man nicht nach einer Beschriftung für die passende Schublade suchen muss – eher läuft man mit ungenauen Bauplänen zum Tischlermeister und hofft auf dessen Kreativität.

Donnokov bauen mit viel Entwicklungsspielraum durchgehend Druck auf und ab; die Soundwände massiv wie gleichzeitig wandelbar. Sie spielen mit Melodien und so punktgenauem Drumming, dass man sich des Öfteren vergewissern muss, ob hier im Nachhinein auch wirklich nichts technisch ausgebessert wurde. Wo FJØRT, die Könige des Lärms, oder die Ausnahmetalente Van Holzen auf knallende, voll aufgedrehte Lautstärke setzten, wissen Donnokov wie man mit einigen Dezibel weniger ebenso beeindrucken kann.

Die Musik erlebt eine so starke Entwicklung, als hätte das Trio mehrere komplett verschiedene Songs auf gut Glück ineinandergefügt und geschaut, was passiert („Erlaubt ist“). Bass und Gitarre liefern sich nicht das klassische Konkurrenzspiel, sondern verbünden sich zum eingeschworenen Team. Gesang wird zu Geschrei und umgekehrt; und dann wäre da auch noch der Sprechgesang („Aber“). „Schwachstelle“ ist für Donnokov anscheinend ein Fremdwort – ihre EP scheint zumindest von einer solchen befreit zu sein.

Für das happy end des großen Kinos fehlt nun nur noch die entsprechende Kilometerzahl des Bandvehikels und eine etwas ausführlichere Konzerthistorie.

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