Sandlotkids: „Ich schreibe Sachen nieder, die mich berühren, und das live zu spielen, ist manchmal nicht so leicht.“

Die Emo-Bands Sandlotkids und New Native kennen sich schon seit Jahren, waren aber vor allem zu ihrem eigenen Unmut noch nie gemeinsam auf Tour. Diesen Februar sollte sich das ändern – passend zum Release des neuen New Native-Albums „Asleep“ und der Doppel-EP „Distractovison/The Kids From Memory Lane“ von Sandlotkids. Im Interview erzählen Anton Schmidt (links), Fabian Frey (zweiter von links), Orion Schweitl (zweiter von rechts) und Georg Schaufler (rechts) unter anderem von ihrer selbstauferlegten Pause und erklären, warum die Songs der Doppel-EP nicht nur aufgrund der zwischenliegenden Jahre unterschiedlich klingen.

Was hat euch zu der Musik gebracht, die ihr nun selber macht?

Orion: Vor Sandlotkids habe ich in diversen Bands gespielt, allerdings war das nie etwas, wo ich mich als Musiker und Songschreiber zu hundert Prozent ausleben konnte. Das waren damals Punk- und Metalcore-Bands und in denen habe ich auch nur Gitarre gespielt. Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass ich die Kombination aus Gitarre und Gesang brauche, um mich auszudrücken und mein Zeug zu verarbeiten. Ich habe angefangen, Songs zu schreiben und die Stimmung der Texte hat genau zu dieser Art von Musik gepasst. Um seine Gefühlslage in Musik zu verpacken, ist dieses Genre das beste, dort ist alles drin – das Melancholische, aber auch die Wut. Es hat sich einfach richtig angefühlt.

Georg: Ich habe mit Orion im Frühjahr 2013 angefangen, der Anton hatte uns vorgestellt. Ich habe vorher auch in härteren Bands gespielt, was mir aber auch nicht so viel Spaß gemacht hat. Ich wollte genau so eine Musik machen und Ori und ich haben sofort gut harmoniert.

Fabian: Ich habe ebenfalls vorher eher in Metalcore-Bands gespielt, dann ging es Richtung Hardcore. Als ich nach München gezogen bin, habe ich musikmäßig nicht direkt den Anschluss gefunden und habe einfach für mich selber Post-Rock-Sachen gemacht. Ich bin über Karl, der gerade nicht da ist, zur Band gekommen. Ich hatte ihn damals zu einem Konzert nach Regensburg mitgenommen und ihm erzählt, dass ich auch selber wieder total gerne in einer Band Musik machen würde. Er meinte daraufhin, dass ich mir doch mal Orion und Georg anschauen sollte. Die würden noch jemanden suchen und zu dem, was ich machen will, passen.

Anton: Ich bin eigentlich nur dabei, weil die Jungs keinen Bassisten hatten und ich sie so gerne mochte (lacht). Die Musik fand ich auch gut, aber ich bin da ein bisschen reingewachsen und habe erst nach einer Weile gesagt, ich mache fest mit.

Was war denn die erste CD, die ihr euch selber gekauft habt?

Georg: Die erste Single war „Cotton Eye Joe“ von Rednex (lacht) und das erste Album die „History“-Doppel-CD von Michael Jackson.

Anton: Ich würde gerne etwas Cooleres sagen, aber entweder war es von den Backstreet Boys „Everybody“ oder es war der Pokémon-Soundtrack.

Orion: Cooler geht es doch gar nicht! Bei mir war es „Butterfly“ von Crazy Town – ich war direkt blown away. Das ist immer noch der Soundtrack meines Lebens (lacht).

Fabian: Mein erstes Album war „Cross Road“ von Bon Jovi. Das Album, wo „Runaway“ drauf ist.

Und was war euer erstes Konzert?

Orion: Weil mein Vater schon immer in einer Band gespielt hat, bin ich mit Konzerten aufgewachsen und war schon als kleiner Bub mit dabei. Aber auf meinem erstes richtig großen Konzert war ich mit zehn Jahren. Mein großer Bruder war immer mein größtes Vorbild – er war 16, ich war zehn – und ich bin mit meinem Papa und ihm zu NOFX gegangen. Dadurch bin ich in diese Musik reingerutscht, da habe ich gesagt, dass will ich auch machen. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich meinen Bruder gefragt habe, warum die Leute zu „Kill all the white men“ ihre Hände hochnehmen. „Das macht man einfach so“, sagte er und ich habe es akzeptiert. It’s my thing now (lacht).

Anton: Auch hier bin ich mir wieder unsicher. Entweder Eros Ramazotti oder die Kelly Family (lacht).

Georg: Mein erstes war Exodus in München, ein geiles, kleines Trash-Metal-Konzert. Das erste große war von den Foo Fighters. Da bin ich vorne nach zwei Songs zusammengeklappt (lacht). War ziemlich geil. Ein Jahr später habe ich sie wieder gesehen, da hat Dave Grohl sein Bier auf mich geschüttet. Das war meine Rock’n’Roll-Taufe (lacht).

Fabian: Weil ich nicht in einer Stadt aufgewachsen bin, war es für mich ein bisschen schwieriger, auf Shows zu kommen. Jimmy Eat World war mein erstes Konzert.

Ihr kommt gerade aus einer einjährigen Pause zurück – gab es einen Grund, dass ihr sagtet, ihr macht erstmal nichts?

Orion: Wir machen sehr emotionale Musik, die aus dem Herzen kommt, und jeder Text ist ehrlich. Ich schreibe Sachen nieder, die mich berühren, und das live zu spielen, ist manchmal nicht so leicht. Ich war damals in einer schwierigen Phase, wo ich gesagt habe, es geht nicht mehr. Ich kann nicht auf der Bühne stehen, diese Lieder spielen, diese Texte singen und Spaß dabei haben. In der Pause habe ich gelernt, wie sehr ich das vermisst habe und dass es genau das ist, was ich brauche, um das Zeug zu verarbeiten, das ich niederschreibe. Deswegen bin ich mehr als glücklich, dass es jetzt wieder weitergeht. Es war aber auch ein Jahr, in dem wir uns alle entscheiden mussten, wie es privat weitergeht. Fabi ist nach Mexiko gegangen, ich war im Bachelor und hatte damit Stress und bin nach Stuttgart gezogen. Das ist alles zusammengekommen.

Habt ihr in der Zeit dann auch gar nicht geprobt oder Songs geschrieben?

Orion: Gemeinsam leider weniger, obwohl wir schon Kontakt hatten, es gab zwischen uns ja keine Differenzen. Ich persönlich kann ohne Songschreiben aber gar nicht. Songs, die wir jetzt auf der Tour spielen, sind aber auch in der Zeit entstanden. Eine Zeit lang habe ich komplett von der Musik Pause gemacht, aber irgendwann ging das nicht mehr. Mit der Akustikgitarre spielte ich alleine ein paar Konzerte und dabei auch Sandlotkids-Lieder.

„Ihn pressen zu lassen und auf Vinyl zu releasen, macht einen Song komplett.“

Passend zur Tour habt ihr ein Doppel-EP-Vinyl-Special mit vier Songs veröffentlicht. Wolltet ihr die Songs ohnehin mal zusammen physisch zusammenbringen? Oder hat es sich zur Tour angeboten, dass man gerade nach einer Pause etwas Neues dabei hat?

Ihn pressen zu lassen und auf Vinyl zu releasen, macht einen Song komplett. „The Kids From Memory Lane“ haben wir 2015 aufgenommen, es kam aber nie auf Platte raus und das war für mich unvollendet. Es schließt es ab, wenn man die Platte in die Hand nehmen und sich das Artwork anschauen kann – und das gab es dazu nie und das hat mich immer ein bisschen gestört. Ich gestalte das Artwork immer selber, möchte einen Abschluss finden und jetzt haben wir drei Jahre darauf gewartet, das zu beenden. Die Doppel-EP hat sich angeboten, weil wir das wahnsinnige Glück haben, mit Zeitstrafe zusammenzuarbeiten, Renke ist der beste Mensch, den ich im letzten Jahr kennengelernt habe. Ich schlug ihm das vor und er war sofort dabei. Es ist aber nicht so, dass diese zwei EPs zusammengehören; die neue ist ein „hey, wir sind wieder da“ und die alte „aber vergesst nicht, wer wir waren“. Ich finde es aber sehr schön, wie sich das gefügt hat. Es ist eine Platte geworden, obwohl es zwei ältere und zwei neue Songs sind – das ist eine wunderschöne Symbiose.

Beim Hören ist mir zwischen der Klangfarbe der ersten beiden und letzten beiden Songs ein Unterschied aufgefallen. Ihr habt die unterschiedlichen EPs dann wahrscheinlich nicht bei denselben Leuten aufgenommen, oder?

Georg: Es sind zwei verschiedene EPs. „The Kids From Memory Lane“ haben wir 2015 im Tiny Pond Studio in Hannover aufgenommen und die anderen beiden Songs vergangenen Oktober im Proberaum der Blackout Problems. Das haben Mario, Michi und Marcus für uns gemacht.

Orion: Der Aufnahmeprozess spielt dabei auch eine Rolle. Für „The Kids From Memory Lane” sind wir in eine komplett andere Stadt gefahren, in der wir noch waren, und haben mit jemandem aufgenommen, den wir davor noch nicht kannten. Das ist natürlich auch super spannend, aber bei den neuen Songs haben wir nur mit Leuten zusammengearbeitet, die wir schon länger kennen, die wie eine Familie für uns sind – das ist ein komplett anderer Charakter. Aufgenommen haben die Blackout Problems und die Vocals und das Mischen habe ich mit Florian Kiermaier gemacht. Das ist einer meiner besten Freunde und er weiß genau, wie er mit meiner Stimme umzugehen hat. Ich vertraue ihm dabei zu hundert Prozent und ich denke, das merkt man auch.

„Zusammen mit New Native hätten wir die Ultraband. Dann bräuchten wir gar keine andere Musik!“

Zum Abschluss: Gibt es einen Song oder ein Album, das ihr gerne selber geschrieben hättet?

Georg: „Happy Birthday“ – dann müsste ich jetzt nicht mehr arbeiten (lacht). Und wahrscheinlich das „Red“-Album von Taylor Swift, da sind die meisten Hits drauf.

Anton: Den Pokémon-Soundtrack!

Fabian: „The Black Parade“ von My Chemical Romance.

Orion: Ich höre super viel Musik, war aber nie ein Mensch, der Songs gecovert hat; ich hatte immer den Ansporn, so etwas als Songwriter auch zu schaffen. Mir fällt tatsächlich kein Song ein, den ich gerne selber geschrieben hätte. Seit ich klein bin, habe ich den Drang, das selber zu machen.

Stellt euch mal vor, auf dem Weg nach Kiel morgen geht das Navi kaputt, ebenso alle Handys, die Straßenkarte brennt, es ist niemand unterwegs, der euch helfen könnte, weshalb ihr euch ganz schlimm verfahrt und auf einer einsamen Insel landet. Ein Album könnt ihr dorthin mitnehmen, welches wäre das?

Fabian: Das beste Album ever: „Master Of Puppets” von Metallica.

Georg: Unter der Bedingung, dass es morgen und mit New Native passiert, bräuchte es gar kein Album, sondern nur einen Song: Can’t Swim, „Stranger“. Den hören wir hier rauf und runter, der läuft fast schon auf Repeat.

Orion: Darf ich meinen Telefon-Joker benutzen? Ich würde gerne den Anton anrufen, der weiß das besser als ich!

Anton: Pink Floyd, „Dark Side Of The Moon”.

Orion: Aber wenn wir unsere Instrumente behalten dürfen, hätten wir mit New Native zusammen die Ultraband. Dann bräuchten wir gar keine andere Musik!

Foto: Official Press Shot

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.