Jared Hart: „Wenn man sich zu viele Sorgen darüber macht, ob man etwas zu Persönliches schreibt, kann es nicht gut enden.“

Früher hat er bei der Punkrock-Band The Scandals gespielt, jetzt ist er solo mit seiner Akustikgitarre unterwegs. Passend zu seiner laufenden Europatour erzählt Jared Hart, warum er seine neuen Songs eigentlich nie live spielen wollte und dass ihn ausgerechnet seine Erfahrungen mit „lauten“ Bands einzigartig macht.

Wie bist du zum ersten Mal mit der Musik in Berührung gekommen, die du jetzt selber machst?

Bob Dylan war der Lieblingsmusiker meiner Mutter und dementsprechend oft habe ich seine Musik gehört. Als Kind habe ich sie allerdings nie so richtig verstanden, ich konnte nichts damit anfangen. Mit der Zeit mochte ich seine Sachen aber immer mehr – und sei es nur aus sentimentalen Gründen – und ich realisierte, dass laute Musik einem zwar direkt ins Gesicht schlägt, eine einzelne Akustikgitarre und eine einzelne Stimme aber ebenso kraftvoll sein können.

Für welche Platte hast du zum ersten Mal selber Geld ausgegeben?

Das müsste was von System Of The Down gewesen sein. Ich habe keine Geschwister oder andere Verwandte, die total auf Musik stehen, ich war damit also ganz allein. Ich habe mit Metallica und ähnlichen Bands angefangen – bis ein Freund von mir von seinem Cousin Rancid, Operation Ivy und NOFX bekommen hat. Hätte es diesen Cousin nicht gegeben, hätte ich mich wahrscheinlich nur noch mit Nu Metal auseinandergesetzt.

Was war dein erstes Konzert?

Ich glaube, das war die Warped Tour, das war großartig. Ich habe gefühlt jeden an ein und demselben Ort gesehen: Bouncing Souls, Alkaline Trio, Dropkick Murphys.

Für etwa drei Wochen bist du nun in Europa unterwegs. Planst du deine Touren, die nicht in den USA stattfinden, immer auch als eine Art Urlaub?

Ich wünschte, ich könnte ein paar Tage extra einplanen, um mir auch was anzuschauen. Ich nehme mir immer vor, Sightseeing zu machen, aber entweder bin ich dann zu kaputt von der letzten Show oder die Fahrten sind einfach zu lang. Hin und wieder zeigen mir Freunde coole Orte, aber wenn ich anfangen würde, gezielt einige Off Days auf Tour einzuplanen, würde es viel zu viel Geld kosten – und der Booking Agent findet es in der Regel auch besser, wenn ich viele Shows am Stück spiele (lacht).

Bereitest du dich anders vor, wenn du in Übersee spielst?

Ich bereite längere Sets vor; eigentlich sogar jeden Song, den ich kenne. Vor allem geht es mir aber darum, dass es mir gut geht. Viele Leute – gerade in Deutschland – merken schnell, wenn es dir nicht gut geht und fragen dich danach und das möchte ich vermeiden. Wenn ich irgendwo spiele, möchte ich auch die Gelegenheit haben, noch ein weiteres Mal dort zu spielen. In Amerika merken es die Leute zwar auch, aber es interessiert sie nicht sonderlich. Du kannst dort für jemanden eröffnen, das beste Konzert deines Lebens spielen und niemanden würde es interessieren. In Deutschland ist das anders.

„Wenn man sich zu viele Sorgen darüber macht, ob man etwas zu Persönliches schreibt, kann es nicht gut enden.“

Weil es eben „nur“ deine Gitarre und deine Stimme sind, ist es um einiges einfacher, deine Texte zu verstehen, als wenn du mit einer Hardcore-Band im Rücken spielen würdest. Machst du dir daher verstärkt darüber Gedanken, was dein Publikum über deine Texte denken wird?

Ich versuche, es nicht zu tun. Einer der Hauptgründe für dieses Soloprojekt war allerdings, dass ich mir Dinge von der Seele schreiben wollte. Diese Songs waren eigentlich nie dafür gedacht, sie einem Publikum vorzuspielen. Sie haben einen absolut egozentrischen Grund, aber als sie dann doch an die Öffentlichkeit gelangten und die Leute begannen, sich in ihnen wiederzufinden, hat es mir noch mehr bedeutet. Das hat mich darin bestätigt und bestärkt, weiterhin so zu schreiben und mir weniger Gedanken zu machen. Wenn man sich zu viele Sorgen darüber macht, ob man etwas zu Persönliches schreibt, kann es nicht gut enden. Man muss ehrlich sein.

Oftmals heißt es, einzelne Sänger mit Akustikgitarre klängen immer gleich. Wie versuchst du, deine Musik einzigartig zu machen?

Weil ich so lange in Punk- und Hardcore-Bands gesungen habe, habe ich diese komische, raue, brutale Stimme entwickelt. Da war nichts schön, sondern alles intensiv und aggressiv und laut und das ist auch in das Solo-Projekt eingeflossen. Ich investiere außerdem sehr viel Zeit darin, ein Set nicht langweilig werden zu lassen. Ich baue Dynamik ein, Übergänge und überlege mir jedes Mal etwas Besonderes, wenn ich herkomme. Dieses Mal bringe ich meinen Freund Rocky mit, der eröffnen und außerdem bei der Hälfte meines Sets die Harmonien spielen wird.

Gibt es einen Song, den du gerne selber geschrieben hättest?

Hunderte!

Stell dir vor, du verirrst dich auf Tour ganz schlimm und strandest plötzlich auf einer einsamen Insel. Du darfst dorthin ein Album mitnehmen – welches wäre es?

Meine Top5 habe ich immer im Kopf, aber nur eines…? Wahrscheinlich wäre es „Bringing Down The Horse“ von The Wallflowers.

Jared Hart live:
13.09. – Höxter – Tonenburg
14.09. – Trier – TUFA Trier
15.09. – Braunschweig – B58 – Braunschweigs behänder Live-Club!
16.09. – Berlin – Monarch Berlin
17.09. – Hannover – Lux 
LUX – Concerts
18.09. – Jena – Café Wagner Jena
19.09. – Leipzig – WERK2-Kulturfabrik
20.09. – Köln – die wohngemeinschaft
21.09. – Bochum – Die Trompete
22.09. – Göttingen – Nörgelbuff

Foto: Greg Pallante

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