Finding Harbours: „Wir können uns auch mit den Texten des jeweils anderen identifizieren.“

Am 28. Mai veröffentlicht die Karlsruher Indie-Punk-/Emo-Band Finding Harbours ihre neue EP „From Spring To Fall“. Im Interview erzählen Sänger und Gitarrist Philipp (zweiter von links) und Schlagzeuger Thomas (links) vom Hintergrund ihrer zweiten EP, analysieren, was sie überhaupt zur Emo-Band macht und stellen unter anderem ihren Song „Sun And Moon“ vor, der am 11. Mai hier bei Auf den Punk gebracht Premiere feiern wird.

Wie seid ihr mit der Musik in Berührung gekommen, die ihr nun selber macht?

Thomas: Seit klein auf haben wir alle dieselbe Musik gehört und waren an denselben Bands interessiert. Irgendwann waren wir an dem Punkt, wo wir das, was wir ohnehin gehört haben, auch selber machen wollten.

Philipp: Lukas und ich waren früher sehr oft auf Konzerten von US-Bands und aus dieser Freundschaft heraus ist es dann dazugekommen, dass wir zusammen Musik machen wollten. Wir haben aber nie gesagt, dass wir wie die Bands klingen wollen, die wir selber hören, sondern uns eher von ihnen inspirieren lassen und gejamt.

Was war euer erstes selbstgekauftes Album?

Thomas: Wenn ich mich richtig erinnere, war es „The Eminem Show“ von Eminem.

Philipp: Mein erstes Album war von Sum 41 „All Killer, No Filler“.

Und euer erstes Konzert?

Philipp: Ich war 2002 bei dem deutschen Duo Wonderwall – keine Ahnung, ob man die noch kennt (lacht).

Thomas: Mein erstes großes Konzert war Blink-182 auf dem Chiemsee Rocks 2010.

„Es geht noch immer um eine Beziehung, allerdings aus einer anderen Sicht.“

Passend zum Tourstart erscheint am 28. Mai eure neue EP „From Spring To Fall“. Sind die Songs exklusiv für dafür entstanden oder hätten sie theoretisch auch schon Teil der „Meant To Stay“-EP von 2016 werden können?

Thomas: Der zweite Song auf der Platte, „Greetings From A Bluer Sky“, war einer der ersten, die wir jemals geschrieben haben. So wie wir ihn jetzt aufgenommen haben, gab es ihn auch schon 2016.

Philipp: Der Song hat damals konzeptionell nicht auf „Meant To Stay“ gepasst, er wäre ein totaler Ausreißer gewesen, weshalb wir uns damals dagegen entschieden haben. Zu den anderen Songs von „From Spring To Fall“ passt er viel besser.

Habt ihr euch für „From Spring To Fall“ ein Konzept überlegt? Ein Oberthema?

Philipp: Bei „Meant To Stay“ ging es um eine Beziehung – von Anfang bis Ende. Lukas und ich schreiben die Texte, im Prinzip ging es also um zwei Beziehungen, wobei jeder seine Erfahrungen eingebracht hat. Bei „From Spring To Fall“ geht es noch immer um eine Beziehung, allerdings aus einer anderen Sicht. Es geht um die Dinge, vor denen wir Angst haben und die uns bewegen, und nicht mehr so arg um das Thema Liebe oder eine Akuterfahrung wie eine Trennung.

Beim Durchlesen der Texte ist mir aufgefallen, wie düster sie teilweise geschrieben sind. Habt ihr beim Entwickeln im Hinterkopf, dass ihr damit einen Seelen-Striptease hinlegt?

Philipp: Ich würde uns als Band nie in die Emo-Schiene schieben, aber ich glaube, unsere Texte machen uns tatsächlich zu einer Emo-Band. Schreiben ist immer eine Sache für sich, aber es ist schwierig, solche Texte auch zu veröffentlichen.

Thomas: Wenn man sich die Texte ohne die Musik durchliest, wirken sie komplett anders, als wenn man sie im kompletten Song oder Live-Kontext zu hören bekommt. Die Texte sind düster, ja, aber die Musik an sich ist es nicht. Der Gesamtmix aus der melodischen Musik und den düsteren Texten ist das Schöne an den Songs.

„Wir können uns auch mit den Texten des jeweils anderen identifizieren.“

Schreibt Lukas und du die Texte alleine und jeder für sich oder gibt es auch welche, die ihr zusammen macht, Philipp?

Philipp: Sobald der Song musikalisch fertig ist, besprechen Lukas und ich uns, ob jemand etwas auf dem Herzen hat, über das er gerne schreiben würde. Wenn wir beide über dasselbe Thema schreiben möchten, einigen wir uns darauf, wer eine Strophe und wer den Refrain macht, sonst teilen wir die Parts hinterher aber auch einfach auf. Es ist allerdings nicht einfach, über manche Situationen zu schreiben. Im letzten Jahr hat ein guter Freund von mir überraschend seinen Vater verloren – ich habe nicht direkt gesagt, dass ich darüber schreiben möchte, habe aber über Monate gemerkt, wie sehr es mich bewegt. Das Gute ist, dass Lukas und ich uns auch mit den Texten des jeweils anderen identifizieren können, obwohl wir sie nicht verfasst haben.

Hast du mit deinem Freund erzählt, dass du darüber einen Song schreiben möchtest?

Philipp: Nein, tatsächlich nicht. Er ist zwar ein guter Kumpel, aber es ist trotzdem schwierig, darüber zu sprechen oder einen Zugang dazu zu finden. Man weiß nie, wie es ihn noch belastet. Ich möchte es ihm auf jeden Fall noch sagen, aber es fällt mir schwer, einfach auf ihn zuzugehen und es ihm zu erzählen. Ich fände es besser, wenn er es auf einem unserer Konzerte erfährt und dann auch direkt sieht, was es in uns bewegt.

Am 11. Mai feiert euer Song „Sun And Moon“ hier vorab Premiere – worum geht es in dem Song?

Philipp: Den Text haben Lukas und ich zusammen verfasst. Bei Lukas geht es darum, dass seine Freundin nun weiter weg studiert und wie sehr er sie manchmal vermisst, wenn sie nicht da ist. Ich habe durch meine neue Freundin dagegen schätzen gelernt, wie schön es ist, wenn jemand da ist.

Gibt es einen Song oder ein Album, das ihr gerne selber geschrieben hättet?

Philipp: Ich glaube, ich hätte gerne „I’ll Keep You In Mind From Time To Time“ von Moose Blood geschrieben.

Thomas: Bei so einer Frage muss ich direkt an meine Lieblingsband Blink-182 denken (lacht). Wahrscheinlich das selftitled-Album von 2004.

Stellt euch vor, während eurer Tour verfahrt ihr euch ganz böse und landet plötzlich auf einer einsamen Insel. Welches Album würdet ihr dorthin mitnehmen?

Philipp: Wenn es zu diesem apokalyptischen Szenario kommt, soll es damit aufhören, womit es angefangen hat: Sum 41, „All Killer, No Filler“.

Thomas: Oder „You Hate Me And I Hate You” von GG Allin – obwohl wir uns damit wahrscheinlich gegenseitig an die Gurgel gehen würden. Vielleicht lasse ich das also besser…

Tourdaten:
28.05. – Mainz – Kulturcafé
29.05. – Iserlohn – Rad Room
30.05. – Münster – Privat
31.05. – Oldenburg – Umbaubar
01.06. – Hamburg – Astra Stube
02.06. – Berlin – Bunte Kuh
08.06. – Karlsruhe – Substagecafé (Releaseparty)

Foto: Official Press Shot

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